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Was soll es?
"Das alles und noch viel mehr, wollt ich machen..." nein, nein!!!
...einfach der Spaß an der eigenen Website ... sicherlich eine
(positive) Abrechnung mit einem Abschnitt deutscher (Musik-) Geschichte und
last but not least, eine Infobörse für Menschen, die noch heute Gefallen an
dieser Musik haben ...oder mittlerweile wieder haben.
Ein hauptsächliches
Motiv für meine Krautrockstory ist die Tatsache, dass sich die meisten
Veröffentlichungen lediglich mit einer Hand voll Gruppen beschäftigt (Amon
Düül II, Can, Neu!, Faust, Kraftwerk). Damit soll nicht das wegweisende
Schaffen dieser Bands angezweifelt werden, nur mir fehlen einfach die
anderen Formationen, die den Begriff Krautrock durch ihre Musik und Präsenz
erheblich mitgeprägt haben.
"Archangel's Thunderbird" - wie alles begann
Aus einem Wirrwarr von Burg Waldeck, R.U. Kaiser, den Essener Songtagen
1968, Karl Heinz Stockhausen usw., entwickelt sich eine Musikkultur in
Deutschland, die von den britischen Radiomoderatoren verächtlich mit dem Begriff Krautrock
betitelt wird.
Begegnet man dem Thema, fällt einem zwangsläufig der Name Julian Cope vor
die Füße. Sein Buch: Krautrocksampler ist sicherlich eine feine
Fleißarbeit, beleuchtet aber nur den "elektronischen Teil" der
Musikszene in Deutschland. Viele "rockige" Krautbands werden
einfach nicht erwähnt. Dass es um die Szene bekannt zu machen, eine
Bewegung drumherum geben musste, bleibt völlig unerwähnt.
In diesem Artikel kommen
also wie bereits erwähnt, die Rockbands zur Sprache und weniger die Querellen
zwischen Herrn Hütter, Herrn Dinger und Herrn Froese. Ein weiterer
Abschnitt beschäftigt sich mit der Rockmusik im Raum Koblenz / Neuwied /
Westerwald zu dieser Zeit (Anfang der 70ér) und den Festivals am Deutschen
Eck 1970 -72 (veranstaltet von Werner Jaeger)
Woodstock war gelaufen, zu jung... zu weit weg... Eine Jeans, ein
einfarbiges, schlabbriges T-Shirt ohne Werbelogo und ein Parka, mehr brauchte
mann/ frau
nicht. Burger King und H&M noch in weiter Ferne. Die APO quälte sich so
durch die Medienlandschaft, Uschi sei Dank.
"Willy wählen" war bald angesagt, von
Joschka und seinen Realos zum Glück noch nichts zu sehen... der Verrat
an der Anti-Atombewegung fand erst in den 80er statt. Was viele
Jugendliche damals politisch bewegte, versinnbildlicht am Besten die Beilage
zur 1. Solo-Lp von Sonny Hennig: TRÄNENGAS
< Click hier!
Die erste
Supergroup der Neuzeit formierte sich (Emerson, Lake & Palmer)... die
Beatles hatten sich aufgelöst, im Fernsehen Rudi Carrell und samstags der
Beat-Club aus Bremen...
Mein erstes Konzert (Ihre Kinder), die erste selbstverdiente LP gekauft
("Paranoid")... Led Zeppelin und Jethro Tull waren angesagt...
aber es gab auch Musik aus eigenen Landen... Kraftwerk und Guru
Guru -
irgendwie anders. Diese deutsche Musik machte Spaß, die Musiker waren
greifbar... entweder wohnten sie in einer "Landkommune"
(Stadtflucht war angesagt) im Nachbarort oder spielten alle drei Monate auf
einem Festival der regionalen Kreissparkasse... wow ... welche Bandbreite
tat sich da auf - Hörgewohnheiten wurden erweckt, oft auch erschreckt: Birth
Control, Tangerine Dream,
Xhol (Caravan), Hölderlin, Pell Mell,
Epitaph, Can, Frumpy, Nine Days Wonder, Wind, Jeronimo, Message und und und... sie
spielten alles an die Wand, was Rang und Namen hatte. Und plötzlich war sie
da... die Krautrock-Szene!!!
Mit viel Begeisterung und Talent zum Improvisieren. Wer jemals ein
Konzert von Tangerine Dream oder Kraftwerk in dieser Zeit miterlebt hat,
weiß was ich mit Improvisation meine: falls die Band den Auftrittsort
überhaupt gefunden hatte, dann fiel zu mindestens der Strom aus oder die
Moogs ziepten und piepten, dass es in den Ohren weh tat. Aber schön war's
trotzdem plötzlich "RUCKZUCK" aus den Boxen live zu hören. Die Industrie
zeigte bis auf wenige Ausnahmen nur ein geringes Interesse. Die englische
Musikpresse verhöhnten diese neuen Töne, als schöpferischen Ausdruck der
KRAUTS. Erst als David Bowie und später Depeche Mode und Radiohead
sich zu dieser Musik bekannten, begann der Umschwung. Urplötzlich waren Can
und Kraftwerk Wegbereiter der modernen Musik.
Es gibt viele kleine Anekdoten dieser Zeit, die ich selbst erleben durfte.
Begegnungen mit Musikern, Erlebnisse auf Konzerten, Diskussionen in
Plattenläden, Artikeln in Zeitungen und Reportagen im Radio - eines Tages,
spätestens wenn ich mich aufs Rentendasein eingestimmt habe, werde ich
diese Geschichten niederschreiben.
Aber zurück zum Thema: Krautmusik definiert sich bei mir in der Zeit von
1969 bis maximal 1975. > danach wurde es gruselig... Jahre später
... die Neue Deutsche Welle... Helmut Kohl... M. Müller - Westernhagen... New
Wave... Wind of Change <
Anfang der 70'er: Die ersten "pseudo-wissenschaftlichen" Beiträge über Krautrock
wurden veröffentlicht. Die Plattenindustrie beglückte uns
mit seltsamen Samplern und kuriosen Coverfotos. Das sollte nun Krautrock
sein. Ein Mischmasch aus bereits bewährten Bands und neuen Hoffnungsträgern. Aber für
die, die es miterlebten war Krautrock einfach mehr... Es war ein Stück
Bekenntnis zur Heimat -ohne missverstandenen Nationalstolz- aber auch
Widerstand gegen den Soundmüll, der aus England und Amerika
rüberschwappte. Keiner dieser (jedenfalls die meisten nicht) deutschen
Bands brauchten das Stargehabe von Deep Purple und Co. Okay... die Scorpions
holten es in den 90er locker nach.
Diese Musik analytisch zu sezieren wäre fatal und bringt wenig. Viele
Krautrockartikel beschäftigen sich leider genau mit diesem Thema: die Suche
nach Wurzeln... shitegal, der "Sound der Pilze" machte Spaß.
"Ohren auf" war Trumpf. Für viele "Leidensgenossen"
dieser Zeit war klar: Nie wieder Krieg! Also verweigern, ´ne 2
Literflasche Lambrusco, ab in den Partykeller und stundenlang "Hoodoo
Man" hören und den Papst + den lieben Gott einen guten Mann sein
lassen. Wer Krautrock hörte galt als progressiver Musikfan..., immer der
Zeit um drei LP´s voraus. Singles waren verpönt: Frumpy 2 in der
halbrunden Plastiktasche, die Schaumstoffhülle von Nine Days Winder, das
Jeans-Cover von Sonny Hennig & Co! Sie standen wie Trophäen ganz vorne
im Plattenregal. Da wusste gleich jeder Besucher was die Zeit geschlagen hatte.
In diesen Tagen bzw. Jahren (70 -74) bewegte sich vieles in der Bundesrepublik, Baader-Meinhof,
die Ölkrise -wie sollte man nun sonntags in die Lieblingsdisco kommen,
trampen wenn keine Autos fahren ???- Deutschland wird
Fußball-Weltmeister!!!
Die wenigsten Bands konnten von ihren erspielten Einnahmen leben, der
Ford-Transit rostete gemütlich vor sich hin, die Isolierung der Boxen-Kabel
bestand zu fast 50% aus Tesaband, die Geißelung der Plattenindustrie -produziert
doch mal endlich einen Top Ten Hit- All dies machte es nicht unbedingt
leichter kreativ und spontan zu bleiben. Achtungserfolge im Ausland waren
da, im eigenen Land war man aber leider oft nur Lückenfüller und Anwärmer
für die großen Acts.
AUTOBAHN ein Welterfolg, aber auch der
Anfang vom Ende !!!
Plötzlich war klar es geht: Kreativität und Chart-Erfolg
gemeinsam auf 3 Minuten zu reduzieren, aber zu welchem Preis??? Verrat an
der Krautfront? In das musikalische und strategische Konzept von Ralf Hütter und
Florian Schneider-Esleben passte es, aber Mani Neumeier oder Renate
Knaup-Krötenschwanz als Bravo-Starschnitt ... nein bitte nicht!!!
Ein Job als Studiomusiker winkte, mit einer regelmäßigen Geldeinnahme für
die mittlerweile gegründete Familie oder doch endlich das Musik-Studium zu
Ende bringen, ein kleiner Secondhand-Laden in der großen Stadt... es wurde
eng. Das Geld der Plattenkäufer floss überall hin (nur nicht zu den
Krautbands), die Radioeinsätze waren fast Null, die Gagen lächerlich im
Vergleich zu den englischen Bands... Augen zu und durch... wer es sich
leisten konnte... kaum einer konnte es!!!

IHRE
KINDER - Berichterstattung im April 1970
Von der Last (k)einen Hit zu haben
Krautrock bedeutete für viele Zeitgenossen: ausgedehnte Einzeltracks und
Musik, die nie im Radio gespielt wurden. Und so ganz von der Hand zu weisen,
ist dies auch nicht. Ich beginne weit am Ende der Ära: Wallenstein
landet mit "Charline" tatsächlich einen
"relativen" Single-Hit. In der Szene distanzierte man sich von der Band. Vergessen das Wagnis
von Wallenstein mit dem
bedenklichen Titel Blitzkrieg auf den Markt zu gehen und die
Bemühungen von Jürgen Dollase (heute ein anerkannter
Restaurantkritiker und FAZ-Kolumnist), bei den Ko(s)mischen Kurieren Fuß zu
fassen. Wallenstein kokettierte mit Charterfolg. Gewollt oder ungewollt.....
kein Mensch konnte in der damaligen Szene einen Hit planen und so war auch
sicher "Charline" eher fahrlässig als beabsichtigt.
Im Ohr klingt
mir noch das Statement von Mani Neumeier: "niemals würde er Zeit in
einem Studio verplempern, um eine Single aufzunehmen"... niemals! Kurz
drauf erschien: "Samanthas Rabbit". Schweizer Humor!!! Ein
Hit wurde die Auskopplung nicht, wobei eine gängige Version vom
ELEKTROLURCH das Potential in die "Spass"Charts gehabt hätte.
Somit bleibt für mich eigentlich wirklich nur "Archangel's
Thunderbird" der Hit der Krautrockzeit im 7- inch Format.
Die Struktur für ein radiokompatibles Format hatten einige Titel dieser
Zeit. Epitaph mit "London Town Girl" gehört sicher genauso
dazu, wie Ex Ovo mit "Crazy Nature". Eins ist unbestreitbar,
Krautrock hätte heute einen deutlich höheren Stellenwert, gäbe es ein
paar typische Tracks, drei Minuten lang und zum "Mitpfeifen".
Ob es ein Segen wäre, sei hier aber deutlich angezweifelt.
Lange Rede kurzer Sinn: Krautrock widersetzte sich kommerziellen Ansprüchen
und das ist auch heute noch der Mythos, der sich um diese Musik schlängelt.
Erhalten blieb dadurch der Freiraum, die Stücke zu komponieren und
einzuspielen, ohne Rücksicht auf Zeitvorgaben. Notfalls, da auf eine
LP-Seite keine 45 Minuten gingen, gab es eben Part 1 und Part 2. Aber was wäre
aus der Krautrock-Bewegung geworden, hätte es schon damals die Medien
Compactdisc, DVD und Internet gegeben? Eine Frage, die sich nur fiktiv
beantworten lässt, ...sicher, der Kult käme dem um Porcupine Tree
u.a. sehr nahe... und zwar zeitnah (!) und sicherlich auch profitabel. Ergo:
Krautrock war in vielen musikalischen Aspekten seiner Zeit voraus,
gleichwohl ungeeignet den Lebensunterhalt der Musiker und deren Umfeld
dauerhaft zu sichern. Erlaubt muss hier der Blick auf die englische
Prog-Rock Szene sein, die um einiges geschäftstüchtiger/ mainstreamiger
war. Eine LP von einer deutschen Band kostete halt im ungünstigsten Falle
22 DM. Und Singles gab's eigentlich kaum. Ich wage hier einfach die
Behauptung, dass Genesis (mit "Genesis Live") und King
Crimson mit "Earthbound" (trotz miserabler Soundqualität)
für 10 DM, nie den Erfolg in Deutschland später gehabt hätten, ohne diese
'Billig'-Scheiben (je 10 DM). Leider waren die kostengünstigen
Krautrock-Sampler (Govi, Brain-Label, Mitten ins Ohr, Rapunzel...) nie unter
dem Aspekt des "Kundenfangs" zusammengestellt worden. Vielmehr
muteten sie nach einem Rechenschaftsbericht des jeweiligen Labels an. Der
einzige Geniestreich blieb somit die LP: "SPIRIT ORGASZMUS"
(Bellaphon) mit JERONIMO und CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL.
Kein Sampler im eigentlichen Sinne, klar... aber die LP schaffte
Aufmerksamkeit in den Plattenläden.
Galt denn der Blick nach England und den USA als verdammenswert.... nein!!!
Legitim wäre es schon gewesen, sich den positiven Mechanismen der dortigen
Produktionsfirmen (und ihren Möglichkeiten) und deren Marktstrategien zu
"bedienen".
Als sich Frumpy
in Atlantis umformierte,
war die Chance da. Eine Band mit Supermusikern und die Stimme von Inga
Rumpf. Sie hatten aus ihrer Krautphase ein eigenes Ding gezaubert.
Selbstbewusst antwortete Inga auf die Frage eines Musik-Journalisten, wie
denn nun ihre Musik einzustufen sei....? "Das ist Atlantis!!!"
Genau, sie hatten nicht die Not, irgendwelche "Vorbilder" aus den
USA zu bemühen. Sie waren Atlantis und gut! Die Musik-Welt stand ihnen
offen, genutzt haben sie es leider nicht.
...demnächst mehr...
u.a. geht es mit diesen Themen weiter:
Deutschrock - Udos Abstieg in den Sonderzug // Die Zeit der
Reunions - Amon Düül II // Google und ebay lassen den Krautrock (wieder) -erblühen? //
Burg Waldeck - Essener Songtage - Burg Herzberg // Plattenbörsen - der Marktwert
deutscher Rockbands wird ermittelt // Soundtracks - eine gute Einnahmequelle? -
Improved Sound Limited + Can // Releases on CD - NEU! und Co starten nochmal
durch // Wo
steht die Krautrock-Szene heute - Epitaph + Birth Control - die letzten
Flaggschiffe? // R.i.P. - In Gedenken.
>>
Dieser Artikel wird ständig ergänzt und überarbeitet - Nichts ist für
die Ewigkeit bestimmt und ein Artikel über Krautrock schon gar nicht
<<
guenther@krautrockseite.de im April 2008
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