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1971 - Das 71’er Phänomen

Beim Erstellen dieser Homepage wurde mir schnell klar, dass im Jahre 1971 die Rockszene in Deutschland und der Prog-Rock in England den mächtigsten Schub in ihrer Ära erhielten. Ich definiere es für mich als das 71'er Phänomen.
Wer sich mal den Spaß macht, seine Plattensammlung unter dem Aspekt des Erscheinungsdatums  zu durchforsten, wird fix verstehen, was ich damit meine.
Ursachen für dieses 71’er Phänomen ? Es waren bewegte Zeiten in der Bundesrepublik... vorher - nachher. Und Musik war ein Ventil ... für Gefühle: gute und weniger gute; für Visionen, aber auch Ängsten vor der Zukunft...
1971 Jahr war geprägt von "Ausnahme-Produktionen" in der Welt des [kraut]Rocks:

A.R. & Machines Die grüne Reise // Ash ra tempel s/t // Birth Control Operation // Blackwater Park Dirt Box // Can Tago Mago // Epitaph s/t // Eulenspygel 2 // Frumpy 2 // Gila s/t // Guru Guru Hinten // Ihre Kinder Werdohl // Improved Sound Limited s/t // Kin Ping Meh s/t // Kraftwerk 2 // Nine Days Wonder s/t // Out of Focus s/t // Passport s/t // Ernst Schultz Paranoia Picknick // Tangerine Dream Alpha Centauri // Wallenstein Blitzkrieg // Wind Seasons //Xhol Hau-Ruck

Ich denke, die obige Auflistung spricht für sich. Und so dürften sich wohl auch die meisten Fans der Krautrockszene (wenn es denn eine „Time-Machine“ geben würde)  1971 wiedertreffen und einer ihrer Wege ginge sicherlich zum „Eck“ in Koblenz.

4.9.1971
- Als ich mich an diesem Vormittag  in den KEVAG-Bus setzte, ahnte ich nicht, dass dieser Tag meine Hörbedürfnisse so gravierend und nachhaltig verändern würde.
Guru Guru + Birth Control - sie waren die Headliner. Die kannte man und sie spielten auch schon oft in der Gegend. Ohne die Leistungen von beiden Bands und den anderen in den Hintergrund zu stellen, die Glanzlichter setzten an
diesem sonnigen Tag:
Nine Days Wonder und Wind!

Nine Days Wonder (1967/68 von Walter Seyffer in Mannheim gegründet) überzeugte mit dem Material ihrer ersten LP, -die in der Schaumstoff-Hülle bzw. mit den Fischköpfen- . Im Vordergrund der Bühne agierte John "Irish" Earle unterstützt von einer Band, die auf allen Positionen exzellent besetzt war. Wer nur den ständigen Instrumentenwechsel von
"Irish" verfolgte, dem wurde schon beim reinen Zusehen schwindelig. Mit welchem Können er all diese Instrumente auch noch beherrschte, war beachtlich und begeisterte die zehntausend Zuhörer.
Genau so positiv überrascht zeigte sich das Publikum beim Auftritt von
Wind
aus Erlangen: Steve Leistner als unübersehbarer Frontmann mit einer wahnsinnig, druckvollen Stimme. Die Band dominierte die Bühne mit perfektem
Zusammenspiel und den Songs von "SEASONS".
Beide Bands gewannen an diesem Tag hunderter neuer Fans dazu und positionierten sich fortan als Top-Acts in der Krautszene.

N
ine Days Wonder:
Walter Seyffer (vocals, drums), John "Irish" Earle (sax, flute, guitar), Rolf Henning (guitar, piano), Karl Mutschlechner (bass), Martin Roscoe (drums)

Wind:
Steve Leistner (vocals), Thomas Leidenberger (guitar, vocals), Andreas Bueler (bass), Lucian Bueler (keyboards) and Lucky Schmidt (drums, percussion, mellotron)






Rhein-Zeitung vom 6. September 1971


"Das haben wir uns viel schlimmer vorgestellt - man liest ja soviel - aber die jungen Damen und Herren hier sind doch sehr nett." Kommentar zweier Omas - in den Achtzigern, die, ohne es zu wollen, in das zweite Open-Air-Konzert am Deutschen Eck gerieten. Die beiden Omas blieben in sicherer Entfernung von der "grässlich lauten" Bühne auf den Stufen des Mahnmals der Einheit sitzen. Mitten unter bunten, aufgeheiterten Jugendlichen.
Zu dem ersten Konzert dieser Art im vergangenen Jahr waren "nur" 8000 Menschen gekommen. Dieses Mal erschienen über 13000 Pop-Hungrige aus allen Teilen von Rheinland-Pfalz. Damit hatte selbst der Veranstalter Werner Jaeger nicht gerechnet - zumal zur gleichen Zeit ein Pop-Konzert in Speyer mit internationalen Gruppen stattfand. In Koblenz gab es nur Pop Made in Germany. Neun Beat-Formationen aus dem Bundesgebiet bewiesen, dass auch sie Rock und Blues machen können. Zehn Stunden hämmerten sie auf Gitarre, Schlagzeug und Orgel herum, ließen unter Grunzlauten sphärische Tonband-Konserven abspulen oder schrieen sich die Seele aus dem Leib. Die Zigtausend Pop-Fans waren zufrieden. Freilich, gerieten nur einige in Ekstase.
Gut gefielen die EPHORUS aus Neuwied und ETERNAL LIGHT aus Siegen. Knallharten Rock servierten BIRTH CONTROL aus Berlin, die in Deutschland wegen ihrer Pro-Antibabypillen-Schallplatte bekannt sind. Technisches Können und hervorragendes Zusammenspiel ließen bei GURU GURU (Heidelberg) den Pop-Kenner staunen. Für Überraschungen sorgten die NINE DAYS WONDER (Mannheim) mit internationaler Besetzung, die Beat-Gruppe WIND und IMPROVED SOUND LIMITED (Nürnberg). Die letzteren taten sich vor allem mit einem Klagelied auf Amerika hervor. Die Musiker hatten die brutale Ermordung von vier demonstrierenden Studenten [Anti-Vietnamkriegs-Demo] durch die Nationalgarde in Kent (Ohio) in den Text ihres unter die Haut gehenden Songs eingebaut.
Auf den Arm genommen fühlten sich viele der zumeist ländlichen Jugendlichen, als Ex-Rattle Achim Reichel mit seinen Mannen auf der Bühne wirkte. Der Hamburger spielte und sang über Echogeräte. Seine Begleit-"Musiker" lieferten die Geräuschkulisse. Das Ergebnis: Ein irres Wirrwarr von Tönen - manchmal sogar im Takt. Achim Reichel zur RZ: "Ich bin froh, nicht mehr bei den Rattles zu spielen. Die haben nur Umsatz und Moneten im Kopf. Was sie an Musik liefern, ist überholt - allerdings haben sie viele Anhänger. Meine Starallüren habe ich abgelegt. Ich bin ein anderer Achim Reichel geworden."
Ähnlich wie die beiden Omas waren auch Polizei und Veranstalter mit dem jungen Publikum zufrieden. Die Jugendlichen waren brav. lauschten der Musik, futterten Bratwürste, tranken literweise Rotwein und liebten sich. Ein richtig duftes Pop-Konzert.

--- Weitergeleitete Nachricht / Forwarded Message ---
Date: Mon, 7 Jun 2004 16:20:02 +0200
From: w.seyffer@t-online.de (Walter Seyffer)


Nine Days Wonder

Hallo Günther!
Freut mich, wenn meine Homepage Spaß macht. Ich habe mich bemüht das Ganze genau so schräg und kaputt zu gestalten, wie die Zeit war, in der es NDW gab. Aber so ganz kaputt war´s wohl doch nicht, sonst hätten wir´s nicht überlebt.
Herzlichen Gruß

Walter Seyffer

 

Fotos aus: "best years" Booklet 


--- Weitergeleitete Nachricht / Forwarded Message ---
Date: Mon, 8 Mar 2004 18:45:28 +0100
From: "Bernd Noske" <nossi@gammaray.de>

Hallo, Günther !
Komme erst leider jetzt dazu, auf Deine liebe Mail vom Januar zu antworten. Dass Du uns schon 33 Jahre die Stange hältst, finde ich außerordentlich. Vielen Dank dafür ! Leider habe ich keine Unterlagen mehr von unseren Auftritten am Deutschen Eck 71/72. Falls Du noch alte, oder neue Fotos von uns gebrauchen kannst, gehe doch bitte auf unsere Homepage www.birth-control.de
Da kannst Du aus dem Vollen schöpfen ! Nochmals vielen Dank für Deine Mail und vielleicht sieht man sich ja wieder bei dem einen oder anderen Konzert.  
Viele rockige Grüße
NOSSI


--- Weitergeleitete Nachricht / Forwarded Message ---
15-07-2004 - 21:51
Thomas Leidenberger
TLeidenberger@t-online.de


Hallo Günther,
hast Dir ja viel vorgenommen mit Deinem Musik/Band-Puzzle! Respekt! Dass es noch Leute gibt, die uns nicht ganz vergessen haben, finde ich Superklasse!!!!!! Ich war Gitarrist bei "WIND" und an Koblenz `71 kann ich mich sehr gut erinnern! Aber auch an die vielen Gigs in Hamburg, in der Fabrik, der Musikhalle, im Stadtpark usw. HH war fast unsere 2. Heimat, wir hatten da so viele gute Leute kennengelernt und tolle Zeiten gehabt! Und die Mädchen waren sooooooo lieb!!! Schluchz! Muss noch ein paar alte "WIND" Bilder scannen und schick sie Dir dann.
Viel Spaß und Erfolg mit Deiner Webseite!
Herzlichste Grüße aus Bayern von
Thomas

Johnny Fickert @ schrieb am 30.04.2005 um 13:54:53 Uhr:

Hallo Günther,
viele Grüße von Improved Sound Limited !
Ohne Zweifel waren die 60er und 70er Jahre Rock-Dekaden von höchstem Stellenwert und wir freuen uns sehr über Websites wie diese, die sich dieser Epoche und vor allem der Szene in Deutschland widmen. ´Ne Menge Recherche- und Gestaltungsaufwand sind da erforderlich. Chapeau!
Da wir selbst damals bei vielen Solo-Gigs und Festivals aktiv waren, erinnern wir uns oft an diese "goldenen Zeiten" (umsomehr, als jüngst alle unsere Produktionen remastered auf CD´s wiederveröffentlicht wurden).
Wir wünschen dir weiterhin viel Spaß mit deinem Web-Auftritt und: "Keep the fire burning"!!
Johnny Fickert


Fotos aus: "Morning" Booklet 





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