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Same D
Rolf Diephaus (voc + b)

     

...wir schreiben Juli 1968:
Mony Mony von Tommy James & the Shondells und Jumping Jack Flash von den Stones lauten die Sommerhits. The Equals mit Baby Come Back haben mit gehöriger Zeitverzögerung den ersten Platz der britischen Charts erobert und Donovan haucht den psychedelisch-angelehnten Hurdy Gurdy Man ins Mikro.


Derweil packt ein junger Mann in
Koblenz gerade seine Koffer. Die Reise soll nach England gehen, direkt ins Swinging London. Rolf Diephaus, 1946 in Oldenburg geboren und mit seiner Familie 1955 nach Koblenz gezogen, ist einer jener jungen Männer, die wie tausend andere vom Beatfieber gepackt sind. Seine eigentliche Vorliebe gilt jedoch dem Soul, insbesondere den Songs von Otis Redding und Wilson Pickett.

Als Bassgitarrist und Sänger ist er seit 1966 bei der Koblenzer Formation
The Same aktiv. The Same gingen direkt aus den Twangs hervor, eine Band, die bereits seit 1963 in Koblenz und Umgebung präsent war und sich einen guten Ruf erspielte. Nach Auflösung der Band, benutzt er den Namen Same D. als Pseudonym und lässt sich bei Konzerten von der Koblenzer Band Inspiration (u.a. mit Rüdiger von Sanden)  begleiten.
Gemeinsam gastieren sie 1967 im Talentschuppen des Südwestdeutschen Rundfunks. Die von Dieter Pröttel moderierte Vorabend-Sendung im ARD Regionalfernsehen erfreut sich großer Beliebtheit und soll für deutsche Interpreten wie beispielsweise Joy & The Hit Kids ein Sprungbrett für Größeres sein. Beispielsweise einem Plattenvertrag bei einer der deutschen Majorfirmen, die sich doch all zu gern mit den Fertigprodukten der englischen und amerikanischen Musikindustrie begnügen.

The Letter (von den Box Tops) und Reach Out I`ll BeThere (von den Four Tops) geben Same D. und Inspiration vor laufender Kamera zum Besten. Wie der Kontakt nach England zustande kam, lässt sich heute schwer ausfindig machen. Jedenfalls führt Rolfs Reise nach London in die Pye Studios (siehe Foto li.). Hier haben bereits The Kinks und The Searchers ihre legendären Hits aufgenommen.
Anybody At The Party (Seen Jenny ?) und How Do You Break A Broken Heart heißen die beiden Songs, die unter der Regie von Miki Dallon auf`s Band gebracht werden. Tony Ritchie und Del Spence lauten die Namen der Komponisten, Miki Dallon wird auf der b/s zusätzlich als Co-Autor angegeben.


The Same - Rolf Diephaus - 2. v.li. - Bass
Als Produzent, Interpret und Label-Inhaber (Strike, später Youngblood) hat sich Miki Dallon längst einen guten Namen gemacht. Geradezu legendär ist seine Produktion (und Komposition) des Sorrow`s Hit Take A Heart, der auch in deutscher Sprache veröffentlicht wird und heute zu den gesuchtesten Vinylraritäten weltweit gehört. Auch Neil Christian`s Hit That`s Nice (siehe unten rechts) avanciert zum Top 20 Hit. Das neueste Zugpferd in Dallon`s Rennstall ist jedoch Ex-Sorrows Leadsänger Don Fardon, dessen Song Indian Reservation zwar im Jahre `68 floppt, zwei Jahre später jedoch ein Nr.3 Hit in England (Dtschld. = No. 8) werden soll. Zudem kann Dallon auf eine Schar erstklassischer Studiomusiker zurückgreifen. Jimmy Page und Ritchie Blackmore schlagen unter anderen für M. Dallon in die Saiten.
Doch wie kam es zu der Schallplattenaufnahme bei Pye Records ?
Manager
Lothar Breitenbach erinnert sich: "Wir schickten immer mal wieder Demo-Aufnahmen zu den Plattenfirmen. Aber ohne Erfolg - vermutlich landeten die Bänder ungehört im Papierkorb."
Breitenbach: "Doch dann hatten wir eine besondere Idee. Ich mischte zu einer Otis Redding Aufnahme die Stimme von Rolf (Diephaus) plus Hintergrundgeräusche eines Live Konzertes. Dieses Band schickten wir zu der
Deutschen Vogue. Und siehe da, wir hatten Erfolg."
Breitenbach: "Rolf und ich wurden in die
Union Studios nach München eingeladen. Dort war Miki Dallon anwesend. Er hörte Rolf's Stimme und nach 10 Minuten gab er sein Okay. Über Ostern fuhren wir nach London und hatten den Aufnahmetermin in den Pye Studios. Das Playback war bereits eingespielt und Rolf musste nur noch seine Stimme zugeben."
Breitenbach: "Rolf hatte einen Vertrag über weitere Plattenaufnahmen und Miki Dallon wollte, dass Rolf den Dallon-Song Indian Reservation in deutsch, aber auch in italienisch aufnehmen sollte, doch Rolf lehnte ab. Somit war der Vertrag hinfällig."
Die Platte erscheint im Spätsommer 1968 mit der Bestellnummer HT300205 auf
Hit-ton, einem Sub-Label der Deutschen Vogue.
Beide Songs klingen erstaunlich modern und gerade zu fortschrittlich. Ein treibender, kräftiger Bass verleiht den nötigen Groove. Ein jazzig-angehauchtes Gitarrenriff (Anybody At The Party) zwischen den Gesangsstrophen und ein ins Ohr gehender Refrain, versprechen durchaus Hitqualitäten. Die b/s (How Do You Break...) klingt sogar noch stärker. Auch dieser Song besitzt beste Voraussetzungen für zahlreiche Radioeinsätze.


Rückseite der Single:
Anybody At The...
Doch eine ansprechende Promotion findet nicht statt, so dass die wirklich starke Soul-Beatscheibe wenig Aufmerksamkeit erregt. Heute findet man nur noch wenige Exemplare.

Schön, dass uns Rolf Diephaus als Same D. eine solche Platte hinterlassen hat.

Rolf starb 1977 - gerade 31jährig -  viel zu früh.
 weitere Miki Dallon Produktionen:

©2008 guenther@krautrockseite.de & Text+Recherche: Horst Maibach