Koblenzer Szene Festivals am Eck 70 - 72 Open-Air's 81 + 82 krautrockseite (Startseite)
The Rebbels Ex Ovo Blackbyrds Vatican
Inspiration Pinball Progress Dr. Otto's Rockshop
Los 4 Ruiz Thunderbirds || R.Crash Fifth Dead The Prisoners of Beat
Hastings 1066 Difficult Departure The Spotlights Same D
Die "Sixties" Story The Earls Big Beats The King Beats
Beat aus Mayen The StringBeats

Wie alles begann -
Die Beat-Szene in Koblenz
Die Milchbar, die Apollo Passage, der Hille Bille Tanzkeller in Weißenthurm,
das Truxa, das Dähler Eck in Ehrenbreitstein... und immer wieder: The Lords.


 

Die Koblenzer "Sixties" Musik-Szene (Steve Hamelink)

>> Unser Mersey-River hieß "Mosel", das ist der Fluss, der fast immer noch alljährlich über die Ufer tritt. Es begab sich im Jahre 1964, dass wir mit der Dr. Zimmermannschen Handelsschule - ich glaube, die gibt es heute noch in der Mainzer Straße, das 75-jährige Schuljubiläum im "Hotel Rittersturz" feierten. Jede Klasse sollte etwas zu diesem Fest beitragen, sei es in Form eines kurzen Theaterstückes, eines Sketches oder einer anderen besonderen Idee. Und die hatten wir vier Jungs aus den Klassen 6a und 6b - "Wir machen die BEATLES!", das war es. An einen Namen der Beteiligten dieser Kopie kann ich mich noch erinnern, Werner Bodinek (der mimte damals den John Lennon) und spielte auch später aktiv bei den King Beats. [nannten sich später Kinkbeats / Kink Beats]...<<

Das Dähler Eck (von Werner Bodinek)
Unzählige Busfahrten von
Höhr-Grenzhausen nach Koblenz, immer durch Ehrenbreitstein, am Dähler Eck vorbei, dort wo Casey Jones ( Ha,ha,ha,ha-heyeyo - yammayammayammaya-ma, wer war das noch mit Wullebulle?) auftrat, zum weißen Kittel in die Lebensmittelabteilung im Kaufhof. Gerade mal 16, dass erste Beatlesalbum, mit "Anna" aus Urbar, die erste unerwiderte Liebe. Dann die Rainbows, mit "My Baby Baby balla balla", die Spotlights, bis hin zum ersten eigenen Auftritt im Pfarreiheim von Ehrenbreitstein, im gestreiftem T-Shirt (rot-weiß) einer Höfner-Gitarre und "My Generation" von den Who. Die King-Beats! Ein Initiationsmoment. Am ganzen Leib gezittert, alles was an Kraft da war, gegeben, Wechsel zwischen 'G' und 'F'. Bewegt dazu, gestolpert, durch den Song gekämpft, reine Energie, ungebremst, alles losgelassen, alles rausgekotzt. Geschwitzt und glücklich, glücklich glücklich. Wochen später im Dähler Eck in Ehrenbreitstein. Viermal die Woche, nach dem weißen Kittel im Kaufhof Koblenz - ab 19.00 Uhr, Coverversionen der Kinks, der Stones, der Beatles, von Chuck Berry, Bill Haley.... drei Schnelle, drei Langsame... Pause. Mit den King-Beats: Hansi Schmidt am "Beatles" Bass mit Selmer Verstärker, Rick E. Loef am Schlagzeug, Otmar Vosswinkel - Lead-Gitarre - der spätere "Jimi Hendrix vom Mittelrhein", Werner Bodinek - Rhythmus-Gitarre und einem Sänger aus Ehrenbreitstein mit Spitznamen "Moses".
1968 hatten die King Beats den 2. Platz bei einem Bandwettbewerb in der Rhein-Mosel-Halle belegt - Schieds- bzw. Preisrichter waren: Die
Rebbels. Gewonnen haben damals die Hastings 1066, eine Band aus Neuwied, die "Monday Monday" von den Mamas & Papas mit zwei gut aussehenden und gut singenden Frauen spielten.
Die King-Beats waren unterwegs, wie alle Bands aus der damaligen Zeit, die "Spotlights, "
The Kentuckys", der Earls aus Lahnstein im Raum Koblenz bis rauf in den Hunsrück, die Eifel und dem Westerwald.
Besetzung der Earls aus Lahnstein: Schlagzeug -
Klaus Nottermann // Sologitarre - Rainer Born // Rhythmusgitarre - Werner Bodinek // Bassgitarre - Fred Born // Hammondorgel - Gerd Mohr // Manager war Peter Kähs. Aber das war schon die 2. Besetzung (?), ich muss nach den King Beats bei Ihnen gewesen sein (67-68), aber The Earls gab es schon länger.
(Werner ist heute ein anerkannter und vielbeschäftigter Theaterschaffender und Musiker in der Schweiz.)

Spätere Besetzung (siehe Foto v.l.n.r.)
"Kalle" Görg (g/ voc) // Horst Günther (b/ voc) // Rüdiger von Sanden (solo-g/ voc) // Josef "Jupp" Hoffmann (dr/ voc)

>> ....aber jetzt wieder weiter: "Wir machen die BEATLES!" ...Nun, wie macht man die Beatles, wenn man kein Instrument bedienen, geschweige denn, spielen kann; ganz einfach, es gab immerhin schon Tonbandgeräte. Wir haben ganz einfach fünf oder sechs Beatles-Songs aufgenommen, die Band (The Twilights), die an diesem Abend für das musikalische Rahmenprogramm sorgte, gefragt, ob wir denn für eine kurze Einlage mal ihre Klampfen umhängen dürfen - wir durften, sehr zur Belustigung der fünf Musiker, aber auch sehr zur Begeisterung der anwesenden Lehrer und Schüler vor allen Dingen der Schülerinnen, bei denen wir seit diesem Abend ganz extrem im Kurs stiegen.
The Blackbyrds: Es war, glaube ich, auf der Koblenzer Frühjahrs-Messe - damals wie heute am Saarplatz, dass mich mein alter Schulfreund Fritz Barth ansprach, ob ich den Lust hätte, in seiner Band mitzumachen, man suche einen Sänger, der einige Songs drauf hat. Gefragt - getan, ich wurde am Sonntag drauf per Moped von dem Gitarristen der Band, Erich Marake abgeholt.
Jetzt war ich also Sänger in einer Band - wooow !!! - aber unter welchen Voraussetzungen. Das Equipment der Gruppe bestand an diesem Sonntag im April/Mai 1965 lediglich aus zwei Gitarren, ich glaube Höfner und Framus, der Bassist hatte einen Elektra-Bass (ital. Modell) und der Fritz hatte für damalige Verhältnisse schon ein recht ordentliches Drum-Set (Bass-Dru
m, Snare, Hit-Hat, ein Hängetom und zwei Becken) das er einem älteren Musiker abgekauft hatte.
Die "Verstärker-Anlage" (damals ein großes Wort) der beiden Gitarristen Erich Marake und Georg Greib bestand aus einem Röhren-Radio (so eins mit grünem Auge, das nach einiger Zeit erst aufleuchtet, wenn die Röhren warm sind), der Bassist (Fredi Schmickler) hatte für damalige Verhältnisse bereits eine 4 x 10'' Bass-Box, die er auch mit einem Radio (6 Watt) betrieb. Und jetzt kommt der Knaller, mein Mikrofon, dass aussah wie eines dieser Mörderteile, die man in einem Fussballstadion oder auf dem Bahnhof bei der Fahrplan-Ansage fand. Um dieses Teil irgendwo festzumachen, benutzte ich dann Mutters Bohnerbesen - der hat schließlich einen schönen schweren Fuß - und wickelte das Ganze mit Kordel um einen Stuhl, damit es auch aufrecht stand.
Natürlich war der Besuch von diversen Clubs und Läden in und um Koblenz angesagt: "
Truxa" in der Firmungsstraße, "Volkspark" in Lützel, "Black Bottom"-Club (unter dem Casino, da steht heute die QUELLE oder HERTIE drauf) und das "Dähler Eck" in Ehrenbreitstein.
Die Szene wurde dann besser, als in Metternich 1966 in einem alten Tanz-Saal in der ersten Etage, der "Beat-Club" eröffnet wurde. Bilo (von der Milchbar in der Apollo-Passage) hatte diese Idee und traf voll in's Schwarze, der Laden war jeden Sonntag rappelvoll.
Also - es gab mittlerweile eine Koblenzer Szene - und ich habe Mitte 1966 einmal über den Daumen gezählt, es gab ca. 45 Bands in Koblenz und Umgebung; die Earls aus Lahnstein, die
Big Beats, die Surivors und die Coroners aus Neuwied, die o.g. Spotlights aus Koblenz, die Thunderbirds aus Remagen, The Rebbels, die Cadillacs (mit Peter Wahlen und Ernst Mahlberg, von denen ich einiges gelernt hatte), dann noch die Emotions und nicht zu vergessen, die wohl damals populärste und auch musikalisch exzellenteste Band unserer Gegend, The Silhouettes aus Neuwied - die konnten damals schon Beatles-Songs nachspielen und die klangen auch wie die Beatles.
Die Blackbyrds brachen auseinander, weil Erich, unser Gitarrist "zum Bund" eingezogen wurde und ich mit den anderen alleine nicht weitermachen wollte. September 1967 saßen wir in besagter Milchbar (bei Bilo) zusammen, der Fritz und ich auf der Suche nach einem weiteren Gitarristen, denn einen hatten wir bereits, den
Rüdiger von Sanden, immerhin einer, zu dem ich noch drei Jahre zuvor hingebungsvoll aufgeblickt hatte, denn der spielte bei den Spotlights, und das war schon 1964 eine tolle Band. Ich hatte es geschafft, mit so guten Leuten zusammenzukommen und das Thema "neue Band" war auch bald spruchreif. Nachdem wir einige Bassisten ausprobiert hatten, kamen wir zu der Überzeugung, es musste noch ein guter Rhythmus-Gitarrist her und wir erinnerten uns eines gewissen Harry Koch, bis 1966 auch bei den Spotlights. Problem war nur, der gute "Cook" war bereits verlobt und sein Mädel stellte ihn vor die Wahl: "entweder Musik oder Liebe" - die Entscheidung, die Harry traf, dürfte wohl jedem (Musiker) klar sein - "Rock'n Roll is bigger than all of us" - das hat schon John Lennon gesagt, und der musste es ja wissen.
Nun gab es also eine neue Band und ein Name war auch schon gefunden:
The Inspiration - Fritz Barth (dr), Rüdiger Von Sanden (g), Harry Koch (git.) und meine Wenigkeit, zu dem Zeitpunkt noch Gitarrist, aber man brauchte ja bekanntlich einen Bassmann. Und jetzt wurde geübt, bis die Finger verkrampften. Rüdiger zeigte mir einige grundlegende Bass-Läufe und Figuren. Aber gleichzeitig singen und diese verdammten vier Saiten zupfen, war gar nicht so einfach….
Der Höhepunkt kam dann im September 1970… 
Werner Jäger von der damaligen "
Schallplatte" in Koblenz hatte das "1. Deutsches Pop Festival" ins Leben gerufen und organisiert, so eine Art "Rhein - Mosel - Woodstock" am Deutschen Eck, bei dem fast alle damals aktuellen Koblenzer Bands vertreten waren - und es war toll: Progress,
Hastings 1066, Ex Ovo…. 
Fazit in der Rhein-Zeitung am drauffolgenden Montag: "
Koblenz hat eine Szene" -..... endlich!!! <<