Die Koblenzer "Sixties"
Musik-Szene (Steve Hamelink)
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Unser Mersey-River hieß
"Mosel", das ist der Fluss, der fast immer noch alljährlich
über die Ufer tritt. Es begab sich im Jahre 1964, dass wir mit der
Dr.
Zimmermannschen Handelsschule - ich glaube, die gibt es heute noch
in der Mainzer Straße, das 75-jährige Schuljubiläum im "Hotel
Rittersturz" feierten. Jede Klasse sollte etwas zu diesem Fest
beitragen, sei es in Form eines kurzen Theaterstückes, eines Sketches
oder einer anderen besonderen Idee. Und die hatten wir vier Jungs aus den
Klassen 6a und 6b - "Wir machen die BEATLES!", das war
es. An einen Namen der Beteiligten dieser Kopie kann ich mich noch
erinnern, Werner Bodinek (der mimte damals den John Lennon) und spielte
auch später aktiv bei den King
Beats. [nannten
sich später Kinkbeats
/ Kink Beats]...<<
Das Dähler Eck
(von Werner Bodinek)
Unzählige Busfahrten von Höhr-Grenzhausen nach Koblenz, immer durch
Ehrenbreitstein, am Dähler Eck vorbei,
dort wo Casey Jones
( Ha,ha,ha,ha-heyeyo - yammayammayammaya-ma, wer war das
noch mit Wullebulle?) auftrat, zum weißen Kittel in die
Lebensmittelabteilung im Kaufhof. Gerade mal 16, dass erste Beatlesalbum,
mit "Anna" aus Urbar, die erste unerwiderte Liebe. Dann die Rainbows,
mit "My Baby Baby balla balla", die Spotlights,
bis hin zum ersten eigenen Auftritt im Pfarreiheim von Ehrenbreitstein, im
gestreiftem T-Shirt (rot-weiß) einer Höfner-Gitarre und "My
Generation" von den Who. Die King-Beats! Ein Initiationsmoment. Am
ganzen Leib gezittert, alles was an Kraft da war, gegeben, Wechsel
zwischen 'G' und 'F'. Bewegt dazu, gestolpert, durch den Song gekämpft, reine
Energie, ungebremst, alles losgelassen, alles rausgekotzt. Geschwitzt und
glücklich, glücklich glücklich. Wochen später im Dähler Eck in
Ehrenbreitstein. Viermal die Woche, nach dem weißen Kittel im Kaufhof
Koblenz - ab 19.00 Uhr, Coverversionen der Kinks, der Stones, der Beatles,
von Chuck Berry, Bill Haley.... drei Schnelle, drei Langsame... Pause. Mit
den King-Beats:
Hansi Schmidt am "Beatles" Bass mit Selmer Verstärker, Rick E.
Loef am Schlagzeug,
Otmar Vosswinkel
-
Lead-Gitarre - der
spätere "Jimi Hendrix vom Mittelrhein", Werner Bodinek -
Rhythmus-Gitarre und einem Sänger aus Ehrenbreitstein mit Spitznamen
"Moses".
1968 hatten die King Beats den 2. Platz bei einem Bandwettbewerb in der
Rhein-Mosel-Halle belegt - Schieds- bzw. Preisrichter waren: Die
Rebbels. Gewonnen
haben damals die Hastings
1066, eine Band aus Neuwied, die "Monday Monday" von den
Mamas & Papas mit zwei gut aussehenden und gut singenden Frauen
spielten.
Die King-Beats waren unterwegs, wie alle Bands aus der damaligen Zeit, die
"Spotlights, "The
Kentuckys",
der Earls aus
Lahnstein im Raum Koblenz bis rauf in den Hunsrück,
die Eifel und dem Westerwald.
Besetzung der Earls
aus Lahnstein: Schlagzeug - Klaus Nottermann // Sologitarre -
Rainer Born
// Rhythmusgitarre - Werner Bodinek // Bassgitarre -
Fred Born //
Hammondorgel - Gerd Mohr // Manager war Peter
Kähs. Aber das war schon
die 2. Besetzung (?), ich muss nach den King Beats bei Ihnen gewesen sein
(67-68), aber The Earls gab es schon länger.
(Werner ist heute ein anerkannter und vielbeschäftigter
Theaterschaffender und Musiker in der Schweiz.)

Spätere Besetzung (siehe
Foto v.l.n.r.)
"Kalle"
Görg (g/ voc) // Horst
Günther (b/
voc)
// Rüdiger von
Sanden (solo-g/
voc)
// Josef
"Jupp" Hoffmann
(dr/ voc)
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....aber jetzt wieder weiter: "Wir machen die BEATLES!" ...Nun, wie
macht man die Beatles, wenn man kein Instrument bedienen, geschweige denn,
spielen kann; ganz einfach, es gab immerhin schon Tonbandgeräte. Wir
haben ganz einfach fünf oder sechs Beatles-Songs aufgenommen, die Band (The
Twilights), die an diesem Abend für das musikalische Rahmenprogramm
sorgte, gefragt, ob wir denn für eine kurze Einlage mal ihre Klampfen
umhängen dürfen - wir durften, sehr zur Belustigung der fünf Musiker,
aber auch sehr zur Begeisterung der anwesenden Lehrer und Schüler vor
allen Dingen der Schülerinnen, bei denen wir seit diesem Abend ganz
extrem im Kurs stiegen.
The Blackbyrds: Es war, glaube ich, auf der Koblenzer Frühjahrs-Messe - damals wie heute
am Saarplatz, dass mich mein alter Schulfreund Fritz
Barth ansprach, ob
ich den Lust hätte, in seiner Band mitzumachen, man suche einen Sänger,
der einige Songs drauf hat. Gefragt - getan, ich wurde am Sonntag drauf
per Moped von dem Gitarristen der Band, Erich Marake abgeholt.
Jetzt war ich also Sänger in einer Band - wooow !!! - aber unter welchen
Voraussetzungen. Das Equipment der Gruppe bestand an diesem Sonntag im
April/Mai 1965 lediglich aus zwei Gitarren, ich glaube Höfner und
Framus,
der Bassist hatte einen Elektra-Bass (ital. Modell) und der Fritz hatte
für damalige Verhältnisse schon ein recht ordentliches Drum-Set (Bass-Drum,
Snare, Hit-Hat, ein Hängetom und zwei Becken) das er einem älteren
Musiker abgekauft hatte.
Die
"Verstärker-Anlage" (damals ein großes Wort) der beiden
Gitarristen Erich Marake und Georg Greib bestand aus einem Röhren-Radio
(so eins mit grünem Auge, das nach einiger Zeit erst aufleuchtet, wenn
die Röhren warm sind), der Bassist (Fredi Schmickler) hatte für damalige
Verhältnisse bereits eine 4 x 10'' Bass-Box, die er auch mit einem Radio
(6 Watt) betrieb. Und jetzt kommt der Knaller, mein Mikrofon, dass aussah
wie eines dieser Mörderteile, die man in einem Fussballstadion oder auf
dem Bahnhof bei der Fahrplan-Ansage fand. Um dieses Teil irgendwo
festzumachen, benutzte ich dann Mutters Bohnerbesen - der hat schließlich
einen schönen schweren Fuß - und wickelte das Ganze mit Kordel um einen
Stuhl, damit es auch aufrecht stand.
Natürlich war der Besuch von diversen Clubs und Läden in und um Koblenz
angesagt: "Truxa" in der Firmungsstraße,
"Volkspark" in
Lützel, "Black Bottom"-Club (unter dem
Casino, da steht heute die QUELLE oder HERTIE drauf) und das "Dähler
Eck" in Ehrenbreitstein.
Die Szene wurde dann besser, als in Metternich 1966 in einem alten
Tanz-Saal in der ersten Etage, der "Beat-Club" eröffnet wurde.
Bilo (von der Milchbar in der Apollo-Passage) hatte diese Idee und traf
voll in's Schwarze, der Laden war jeden Sonntag rappelvoll.
Also - es gab mittlerweile eine Koblenzer Szene - und ich habe Mitte 1966
einmal über den Daumen gezählt, es gab ca. 45 Bands in Koblenz und
Umgebung; die Earls aus Lahnstein, die Big Beats, die
Surivors und die
Coroners aus Neuwied, die o.g.
Spotlights aus Koblenz, die
Thunderbirds
aus Remagen, The Rebbels, die Cadillacs (mit Peter Wahlen und Ernst
Mahlberg,
von denen ich einiges gelernt hatte), dann noch die Emotions
und nicht zu
vergessen, die wohl damals populärste und auch musikalisch exzellenteste
Band unserer Gegend, The Silhouettes
aus Neuwied - die konnten damals schon
Beatles-Songs nachspielen und die klangen auch wie die Beatles.
Die Blackbyrds brachen auseinander, weil Erich, unser Gitarrist "zum
Bund" eingezogen wurde und ich mit den anderen alleine nicht
weitermachen wollte.
September 1967 saßen wir in besagter
Milchbar (bei Bilo) zusammen, der Fritz und ich auf der Suche nach
einem weiteren Gitarristen, denn einen hatten wir bereits, den Rüdiger
von Sanden, immerhin einer, zu dem ich noch drei Jahre zuvor
hingebungsvoll aufgeblickt hatte, denn der spielte bei den Spotlights, und
das war schon 1964 eine tolle Band. Ich hatte es geschafft, mit
so guten Leuten zusammenzukommen und das Thema "neue Band" war
auch bald spruchreif. Nachdem wir einige Bassisten ausprobiert hatten,
kamen wir zu der Überzeugung, es musste noch ein guter Rhythmus-Gitarrist
her und wir erinnerten uns eines gewissen Harry
Koch, bis 1966 auch bei
den Spotlights. Problem war nur, der gute "Cook" war bereits
verlobt und sein Mädel stellte ihn vor die Wahl: "entweder Musik
oder Liebe" - die Entscheidung, die Harry traf, dürfte wohl jedem
(Musiker) klar sein - "Rock'n Roll is bigger than all of us" -
das hat schon John Lennon gesagt, und der musste es ja wissen.
Nun
gab es also eine neue Band und ein Name war auch schon gefunden:
The
Inspiration - Fritz Barth
(dr), Rüdiger Von Sanden (g), Harry Koch (git.)
und meine Wenigkeit, zu dem Zeitpunkt noch Gitarrist, aber man brauchte ja
bekanntlich einen Bassmann. Und jetzt wurde geübt, bis die Finger verkrampften.
Rüdiger zeigte mir einige grundlegende Bass-Läufe und Figuren. Aber
gleichzeitig singen und diese verdammten vier Saiten zupfen, war gar nicht so
einfach….
Der Höhepunkt kam dann im
September 1970…
Werner Jäger von der damaligen "Schallplatte"
in Koblenz hatte das "1. Deutsches Pop Festival" ins Leben
gerufen und organisiert, so eine Art "Rhein - Mosel - Woodstock"
am
Deutschen Eck, bei dem fast alle damals aktuellen Koblenzer Bands
vertreten waren - und es war toll: Progress,
Hastings
1066, Ex Ovo….
Fazit in der Rhein-Zeitung am drauffolgenden Montag: "Koblenz
hat eine Szene" -..... endlich!!!
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