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Trackliste - Hamburg 2004 A |
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So sparsam kann
Ekstase sein Kraftwerk: Bordkonzert im Raumschiff Orion: die Oldies der Maschinenmusik im CCH. Von Hans-Jürgen Fink Hamburg - "Meine Damen und Herren, Ladies and Gentlemen, heute Abend: die Mensch-Maschine." Die Stimme der Auftakt-Ansage des Konzerts klingt, als hätte ein Roboter mit Rasierklingen gegurgelt. Für die Fans von "Kraftwerk" die Offenbarung: Dreizehn Jahre hatten sie warten müssen, um die Pioniere der elektronischen Musik wieder live in Hamburg zu erleben. Die Begeisterung tobte sich umso lautstärker aus, je weniger sich auf der Bühne bewegte. Und das war nicht viel. Unbewegt standen die Ur-Kraftwerker Ralf Hütter und Florian Schneider, aktuell verstärkt durch Fritz Hilpert und Henning Schmitz, hinter vier identischen Stehpulten mit Laptop - schwarzer Anzug, rotes Hemd, Krawatten mit roten Leuchtdioden -, schoben Regler, drückten Tasten und Knöpfe. Kein Seitenblick, kein Lächeln, nur hin und wieder wippte ein Bein fast unmerklich im Takt - so sparsam kann Ekstase sein. Dafür ging es auf Breitwand hinter den Herren umso hektischer zu: in Animations- und Filmclips, zu denen sich die Hits aus 30 Jahren in die Gehörgänge bohrten. Von "Autobahn" und "Trans Europa Express" über "Radioaktivität", "Computerwelt" bis zu "Elektrokardiogramm", "Vitamin" und "Tour de France", der Hommage der bekennenden Hochleistungsradler an ihr Hobby. Bei "Wir sind die Roboter" ließen sich die Musiker dann von elektromechanischen Doubles vertreten, um dann in Outfits mit gitterartigen Leuchtstreifen auf Schwarz ihre eigene Digitalisierung vorzugaukeln. Ein konzeptstarkes audiovisuelles Gesamtkunstwerk, dessen Minimalismus documenta-Format hat. Tranceverdächtige, weltweit kompatible Sphärenmusik mit Texten, die bedeutungsschwanger, aber sinnarm durchs unausformuliert bedrohliche Irgendwie eines virtuellen Universums scheppern. Vor 30 Jahren war das Provokation, die Revolution der Schaltkreise gegen handgemachten Rock - futuristisch im Anspruch, de facto aber unterkühlte Digitalisierung musikalischer Leidenschaft. Heute ist die Provokation passé und Elektronik längst allgegenwärtige Zutat musikalischer Schaumschlägerei. "Kraftwerk" mit seinem Purismus wirkt da fast schon so liebenswert altmodisch wie ein Bordkonzert im Raumschiff Orion. Auch das Publikum, zu 90 Prozent männlich und zwischen 40 und 50, hat ihn nicht unbeschadet überstanden, den Sprung aus der kuscheligen Wohngemeinschaft, wo Computer die schöne neue Welt versprachen, in die harte digitale Realität: Schwenkte man früher Feuerzeuge, wenn es romantisch wurde, leuchten jetzt über den Köpfen die bunten Displays der Foto-Handys. erschienen am 30. März 2004 im Hamburger Abendblatt - Kultur / Medien |
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