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Forgotten Pearls

Wer hat nicht die Situation erlebt:
Im Zeichen der "Hamsterkäufe" der 70'er, erwarb man so manche Platte, die dann wenige Jahre später lieblos in einer Flohmarktkiste landen sollte. Die Band zumeist unbekannt; auch die Namen der Musiker mehr oder weniger nichtssagend.
Parallel dazu die erschreckende Meldung während der Ölkrise 1973/ 74: man darf nur eine neue Platte erwerben, wenn man eine eigene zur Rohstoffersparnis "tauscht" plus dem regulären Verkaufspreis. Im Kopf hatte ich dieses Szenario des "Opferns" tausendmal durchgespielt. Um auf der sicheren Seite zu sein, wurde da schon so manche LP auf "Vorrat" gekauft.
Jahrzehnte später plötzlich, meist durch einen Zufall bedingt, die Erinnerung an eine dieser Scheiben. Doch als CD wurde sie nie aufgelegt. Aber zum Glück gibt es das Internet. Und blitzartig werden die Namen wieder vertraut und die Stationen der Bandmitglieder kreuzen so manche Biografie anderer beliebter Musiker + Bands.
Drei dieser (fast) vergessenen Perlen möchte ich an dieser Stelle vorstellen. Unverständlich, dass diese Produktionen nicht mehr Anerkennung erhielten und sie in der Regel ein trauriges Dasein in den Krabbelkisten von Supermärkten fristeten.

JUMP :: s/t (1971)

Jump s/t

Rückseite


Dennis Tracy (g + voc)
Scott Thurston (keys + voc)
Mark Spiwak (b)
Don Gorman (dr)


1. Love Wit Chu Mama (2:53)
2. No News (2:52)
3. Here I Lie With You (4:55)
4. Your Heart Can Find You A Song (4:00)
5. Such A Lover (4:33)
6. Having A Wonderful Time (1:09)
7. Close As Touch (2:24)
8. Enough Of This Circus (3:38)
9. Bank Of Love (4:06)
10. Change, We Are All Alive (3:33)
11. Life, Leave Us Past As Friends (4:41)


Das Werk wird der "Heavy Glam Psychedelic-Rock" Ära zugeschrieben. 1971 erschien das Album bei
Bellaphon Deutschland (BLPS 19059). Rockige und bluesige Melodien durchströmen die einzelnen Tracks, eine rundherum kompakte LP. Ausgereifte Songs mit klaren Strukturen, die durch die mächtigen Keyboardklänge und den Gesang getragen werden. Anspieltipp: Here I Lie With You
Jump setzte auf Bewährtes, ohne viel Spielereien, wie sie für damalige Produktion schon fast zur Pflicht geworden waren. Schwachstellen sucht man auf diesem Album vergebens. Obwohl hier weitestgehend unbekannt, erkannten einige Kollegen aus der Szene das Potential der einzelnen Bandmitglieder.


Scott Thurston
(Jahrgang 1952) war und ist ein begehrter Gitarrist in der Rockbranche und spielte u.a bei Jackson Browne, The Cult, Melissa Etheridge, Hokus Pokus, Iggy Pop & The Stooges, The Motels, New Order und Tom Petty ("Great Wide Open"-Tour 1991).

Dennis Tracy - Gitarrist und Sänger veröffentlichte die LP Show Biz (1974)



Duffy :: Just In Case You're Interested (1971)

Just In Case You're Interested (1971)

Scruffy Duffy (1973)


Stuart Reffold (voc, harp + percuss)
Barry Coote (g)
Joe Nanson (voc + keys)
Patrick Sarjeant (b + voc)
Will Wright (dr)


1. Matchmaker (2:52)
2. Long lost friend (3:06)
3. Judgement day (4:25)
4. Amie (2:37)
5. It's my life (2:58)
6. Rock solid (3:26)
7. Don't let me be misunderstood (5:56)
8. Tell me (3:10)
9. Riverside (3:05)
10. Place to die (2:09)


Just In Case You're Interested ist das erste Album der Band und charakterisiert sich selbst als "Heavy-Rock-Progressive" Album. Es erschien 1971 lediglich in Europa. Der Nachfolger Scruffy Duffy kam 1973 bei Chapter One (CHSR 814) heraus.

"Kopf" der Band war
Stuart Reffold.
Duffy wirkte zu Beginn der 70'er hauptsächlich in der
Schweiz.
Progrock mit überragenden Vocals eröffnen das Album. Ohne viel Schnörkel rockt die Band von der Insel (
UK) los. Im Wechsel mit melodischen Tracks gewinnt die Platte sehr schnell eine bemerkenswerte innere Harmonie. Angetrieben immer wieder durch die Keyboards. Aufmerksam wurde die Musikwelt durch ihren Single-Hit: Rock Solid. Ein gängiger Rocksong, der ihnen in der Schweiz und Italien die verdiente Aufmerksamkeit bescherte. Stampfend und beschwingt rockt sich der Ohrwurm durch dreieinhalb Minuten "Gute Laune"- Sound. Ein weiteres Glanzstück des Albums ist: Don't let me be misunderstood. Zunächst glaubt man an eine sehr orgel-lastige Version von "April" bevor der Song in die bekannten Rhythmen einschwenkt. Tell Me die B-Seite der Single-Auskopplung, offenbart Duffy als verlässliche Beatband - ein bisschen Jethro Tull und jede Menge Sixties-Rhythmen.
Die Songs schaffen einen feinsinnigen Bezug zwischen den beatigen 60'ern und den heavigen Rock der 70'er.
St. Reffold heuerte später bei
Clifford T. Ward an.
         

Deutsche Ausgabe |              | Soul Records/ Frankreich |              | span. Ausgabe


Produziert wurde Duffy von
"Steff" Stefan Sulke in den Soundcraft Studios in der Schweiz.
Sulke zeigte sich für etliche interessante Produktionen dieser Zeit verantwortlich.

So zum Beispiel für die Band:
Proud Mary - mit der Sängerin Mary Linn. Die Musik von Proud Mary vereinigte zahlreiche Elemente moderner Stilrichtungen: Psychedelic, Funk, Beat und Pop.
Das Album wurde für das legendäre
Licorice Soul Label produziert.
Auffallend das Sulke auch hier
Don't let me be misunderstood (siehe: Duffy) produzierte und Hey Mr. Holy Man. Das letztgenannte Stück produzierte er auch für die Band Kiss Inc. (Cover-Artwork von Helmut Wenske > siehe auch Nektar-Alben)
Proud Mary Kiss Inc.

Einen Meilenstein setzte Sulke allerdings bereits 1969 mit den Aufnahmen für die Band: The Shiver

The Shiver:

Dany Rühle (g + voc)
Jelly Pastorini (key)
Peter Robinson (voc)
Mario Conza (b)
Roger Maurer (dr)


The Shiver waren die Psychedelic-Gruppe der Schweiz! Einziges Werk:
Walpurgis. Das Album erzielt heute als Vinyl Rekordpreise auf jeder Plattenbörse. Garden of Delights (GOD) hat jedoch erfreulicherweise "Walpurgis" als CD neu aufgelegt; plus drei Bonustracks. Cover-Artwork von H.R. Giger.



Sulke legte sich Anfang der 70'er ein mobiles Tonstudio zu und zeichnete u.a. das
Jazz Festival in Montreux professionell auf. Bekannt seine Liveaufnahmen von Fats Domino. In seinem Genfer Studio gastierten viele Größen des Rockbusiness u.a. die Rolling Stones.


Sunny Jim Band :: Maximum Pain (1980) // Jay (1982)



Martin Allen (voc + g)
John C. Barry (b + voc)
Didier Laget (g + voc)

Frank Henneke (dr - 1980)
Jaap Vrenegoor (dr - 1981)
Singles:

Maximum Pain/ Oh America (1980)
One minute/ Speak to me (1981)
Mixed up/ I tried (1980)
Resignation/ Part 2 (1980)

1975 formierte sich die international besetze Vier-Mann Band in den Niederlanden. Zwei Engländer, ein Franzose und ein Holländer bildeten das Line up. Stilistisch hatte man sich auf die neuen Töne geeinigt; etwas Funk, Punk, Reggae, Ska und ein Großteil frischer Rock & Pop. Stellenweise waren schon leichte New Wave Einflüsse zu vernehmen.

1980 und 1982 arbeiteten sie an ihren beiden einzigen Alben. Die Platten erschienen alle bei Vertigo.
Das zweite Album
Jay entstand unter der Regie des Roxy Music Produzenten Steve Nye (u.a. "Siren", "Country Life"). Herzstück ist eine phantastische Coverversion von Knockin on Heaven's Door.

Der große internationale Erfolg blieb ihnen leider versagt. Ihr Nachteil war, dass zu dieser Zeit Bands wie Police oder Fischer Z schon die Geldbeutel ihrer "Zielgruppe" strapaziert hatten. Die Radioeinsätze auch eher spärlich. Jedoch zählte die "SJB" Anfang der 80èr in Deutschland zu einer sehr beliebten Liveband, die durch ihre Spielfreude in den bekannten Musikclubs der Republik überzeugte.

Im Juli 1980 gingen sie für eine Aufzeichnung des Rockpalast's in die WDR Studios in Köln.

Siehe nachfolgende "Tracklist":

1. City Life (2:40)
2. Bedside Radio (2:45)
3. Plastic Lips (3:20)
4. Bound To My Baby (3:00)
5. Maximum Pain (5:15)
6. Sharpville (5:25)
7. Willy's Girl (3:10)
8. Supergirl I (2:35)
9. Don't Take Me For Granted (2:55)
10. I Tried (3:10)
11. Oh America (2:55)
12. Strange Kind Of Comedy (6:00)
13. Why Don't We Do What Other Lovers Do (3:50)
14. Knockin' On Heaven:s Door (5:50)
15. Held Hostage (2:40)
16. City Life (4:50)
17. People Say (6:45)
18. Maximum Pain II (5:00)

Ich hatte mehrfach das Vergnügen die Band 1981/ 82 in Hamburg live zu sehen. Skurriler Höhepunkt war ein Konzert im Top Ten auf dem Kiez vor vier (4 !) zahlenden Zuschauern, inklusive meiner Person. Dafür durfte ich mir noch kostenfrei die Story der Toilettenfrau anhören, dass etliche Jahre vorher hier auch schon mal eine Band vor so wenigen Besuchern gespielt habe. Aber die waren nicht so höflich wie die heutige Band und außerdem würde ihr die Musik der "Sunnys" besser gefallen. Bezeichnend das die Band "damals" auch aus vier Musikern bestand *grins* Einer hieß wohl auch John. Trotz des leeren Saales spielten die jungen Musiker mit der gleichen Intensität und Perfektion wie Wochen vorher in der vollbesetzten Fabrik in Altona.

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