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Aber der Reihe nach:
Mit dem schwer verdaubarem Comeback-Album Zeitgeist im Gepäck war die
magere Resonanz beim Publikum vorprogrammiert. Die Chicagoer Alternativrock-Kultfiguren vor halbleerem Saal!
Da hat sich Mr. Nosferatu (Billy Corgan -
git + voc) mit seiner Popularität auf der Reunion Tour ordentlich
überschätzt. Ihr Publikum (Mitte 30er) besucht vermutlich keine Konzerte
mehr, der Nachwuchs hält sich zurück. Billy nimmt's wie bei den
vorangegangen Konzerten in Europa mit Galgenhumor.
Porcelina of the Vast Oceans eröffnet den Abend. Spärlich die
Lichteffekte - denkt man sich das Drahtgeflecht am Autoscooter vom Dom weg,
hat man dort fast den gleichen Eindruck. Etwas modernes Stahlgewirr - genügsam
schön und langweilig.
Corgan im metallic-farbenen Männerrock - vermutlich bequem, sieht aber
beschi… aus. Daneben Ginger Reyes, die Bassistin seit einem Jahr, in einem
kurzen Tüllröckchen - vermutlich unbequem, sieht allerdings bezaubernd an
ihr aus*g*.
Schon einschüchternd wie die anderen Musiker (Jeff
Schroeder/ git + Lisa
Harriton/ key) hinter der "Lichtgestalt" Corgan zu Statisten
werden. Nur sein Mitstreiter aus alten Tagen - Jimmy Chamberlin - kann an
den Drums für kleine Highlights sorgen. Perfekt das Zusammenspiel. Mit dem
vierten Song endlich die Erlösung im Publikum… Tonight, tonight…
kurzzeitig schwingt der Laden wie zu besten Kürbis-Tagen.
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Geschickt hat Corgan die Songs von Zeitgeist (Bring the light,
Let's go,
That's the way, Tarantula) in den Hit- und Classic Container der Band
integriert. Mein Tipp: spielt man nur die ausgewählten Songs von der Tour
aus dem Album, wirkt Zeitgeist sogar ganz ansprechend. Ava Adore,
Drown,
Bullet with Butterfly wings kommen gebündelt und einwenig nostalgisch
rüber. 1979 spielt Billy solo, nur mit der Akustikgitarre. Gänsehaut pur
wäre das vor knapp 10 Jahren auf dem Spielbudenplatz gewesen. In der
Hamburger Color Line Arena im Februar 2008 war's einfach nur `ne müde
Nummer. Schade!
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Danach ging's ins letzte Drittel und hier packte die Band den "Chicagoer-Grunge" der
good old days
aus - wuchtiger Gitarrenrock,
laut und schroff (z.b.
Everlasting Gaze).
Psychedelic + Progressiv Sound der
Extraklasse! Ja!!! - so lieben wir Euch!
Easy Livin' (ja genau der Uriah Heep Hit) bedroht eindrucksvoll die Ohren
der harmoniesüchtigen Althippes. Ein Glanzpunkt die Rückkopplungsorgie zu
United States. Genial gemacht - böse wer dabei an Jimi Hendrix denkt.
Dann
die Zugabe: plötzlich stehen
Rudi Schenker
+ Uli Jon Roth von den
Scorpions auf der Bühne. Corgan locker wie nie zuvor gesehen,
ungewöhnliche Bewegungen, er hat Spaß am Zusammenspiel mit
"unseren" Jungs*g*. Er lächelt, nimmt Schenker in den Arm - was
ist das??? Corgan zeigt menschliche Züge. Da steht der Typ zwei Stunden
hölzern und emotionslos neben der hübschen Ginger (Nachfolgerin von D'Arcy
und Melissa auf der Maur) und im Duett mit Schenker zeigt er
"vorschiftsmäßiges" Bühnenposing. Fremdartig! Mit Respekt
deutet er auf U. Roth - sein Gitarrist Jeff nimmt es mit Demütigung hin.

(Ginger
R., R. Schenker + B.Corgan)
Nach knapp zweieinhalb Stunden ist Schluss.
Meine Bilanz: Der "Zeitgeist" hat die Pumpkins überholt. Bitte
nächstes Mal eine kleine Halle (< 4000) auswählen, mehr Besucher zieht
die Band leider nicht mehr. Back to the roots.
Die Band ist gut. Für Billy heißt das, Lisa und Jeff mehr ins Geschehen
einbauen; Jimmy Chamberlin ist eine feste Größe; Ginger souverän.
Ganz wichtig: das zukünftige Livematerial mehr auf Machina und
Mellon
Collie verlagern. Corgan ist doch ein "Guter" - politisch korrekt
und engagiert. Und wenn das alles nichts hilft, kann er ja noch paar
Krautrocker integrieren - das funktioniert definitiv!!!
Fast ist es mir ein wenig peinlich, den Abend gestern haben die
Krautrock-Verneiner
Schenker & Co. gerettet.
gk - 27.2.08
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