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TIBET

 

Ende der 60er hatte Jürgen Krutzsch, besser bekannt als „Pöngse“, in verschiedenen örtlichen Bands sowohl als Keyboarder als auch als Schlagzeuger mitgewirkt. Nicht weil er die Instrumente beherrschte, sondern weil genau dieser Platz eben in der jeweiligen Band besetzt werden musste. Und eigentlich hatte er ja auch Bassist werden wollen. Da diese Gruppen, bis auf ein paar kleine Auftritte, kaum aus dem Proberaum herauskamen, beschloss Pöngse 1970 eine eigene Gruppe zu gründen. In Fred Teske, dem einzigen Langhaarigen an der gemeinsamen Schule (der musste doch ein Instrument spielen können), fand er den ersten Mitstreiter. Fred konnte tatsächlich Gitarre spielen und fand sich auch auf anderen Instrumenten gut zurecht. Da beide denselben Musikgeschmack hatten, war damit die Grundlage gelegt. Als Bassist war Karl-Heinz Hamann schnell gefunden, der mit Jürgen bereits in der Gruppe The Fine Art gespielt hatte. Von der Gruppe Nostradamus, wo sich Pöngse als Drummer versucht hatte, wurde Keyboarder Dieter Kumpakischkies rekrutiert. Schnell einigte man sich auf den Namen TIBET, da alle irgendwie auch von fernöstlicher Musik beeinflusst waren. Auf die Idee auch über den politischen Aspekt nachzudenken, kam man erst später, als auf den Konzerten vermehrt Leute auftauchten, die wirklich schon in Tibet gewesen waren. Da die Schlagzeuger, die man haben wollte, alle nicht zur Verfügung standen, nahm Fred Teske zunächst diesen Platz ein. Pöngse übernahm nun die Gitarre, von der er zwar genau so wenig Ahnung hatte, wie von den anderen Instrumenten vorher, aber nach und nach brachte Fred ihm die wichtigsten Grundlagen bei, so dass es irgendwann einfach bei dieser Besetzung blieb.

Da zunächst auch kein geeigneter Sänger gefunden wurde, traten die vier erstmal als Instrumentalgruppe auf. Begeistert von der Gruppe Nektar und vor allem der dazugehörigen Lightshow wurde Wolfgang Wilka, den man öfter auf solchen Konzerten getroffen hatte, überredet, solch eine Lightshow auch für Tibet aufzubauen. Das Management übernahm Pöngse zusammen mit Peter Halbsgut, der bei Nostradamus schon als Roadie fungiert hatte. In der Folgezeit wurden Auftritte in ganz Deutschland absolviert, zusammen mit den damals angesagten Gruppen wie Eloy, Jane, Grobschnitt, Kraan usw. Bei einem Konzert im Vorprogramm der Scorpions bekam Tibet damals sogar bessere Kritiken als die Hauptgruppe. Festivalauftritte schlossen sich an, unter anderem in der Niedersachsenhalle in Hannover oder in der Philipshalle in Düsseldorf. Es folgten drei kleine Touren durch England mit Auftritten auf dem legendären Windsor Free Festival und ein Jahr später auf dem Watchfield Festival, wo Tibet vor über 10.000 Zuschauern spielte und als einzige Gruppe des Abends zwei Zugaben geben durfte. Neben Gruppen wie Traffic, Hawkwind, Ginger Baker u.a. bekam Tibet auf einer Bewertungsscala 10 von 10 erreichbaren Punkten.


Inzwischen hatte sich die Gruppe mit einem weiteren Keyboarder (Deff Ballin - später bei Geier Sturzflug) und Sänger Klaus Werthmann verstärkt.
Als Peter Halbsgut nach Frankfurt ging um an der dortigen Oper Beleuchtungschef zu werden, übernahm Jürgen Wigginghaus (später Begründer des bekannten Magazins METAL HAMMER) das Management. Ihm gelang es auch bald, der Gruppe einen Plattenvertrag zu besorgen. 1979 erschien bei Bellaphon das bisher einzige Album TIBET. Als Jürgen Wigginghaus dann Tourneen durch Österreich und die Schweiz vorbereitete, geriet das Gefüge innerhalb der Gruppe ins Wanken. Einige hatten Angst um ihren Job und schwankten zwischen Beruf und Karriere. 1980 löste sich Tibet auf. 1994 brachte das französische MUSEA-Label das Album als CD heraus, die im Mai 2010 re-issued wird. Im Anschluss ist eine neue CD geplant, in Originalbesetzung und mit Material, das noch aus der damaligen Zeit stammt.

Die Erscheinungstermine werden rechtzeitig bekannt gegeben auf:

www.tibet-progressive-rock.de

www.myspace.com/tibetprogressiverock

 

Text: Jürgen Krutzsch