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Buch:
KassettenGeschichten
"KassettenGeschichten. Von Menschen und
ihren Mixtapes" ist die Begleitpublikation zum gleichnamigen
Forschungs- und Ausstellungsprojekt. In neun Aufsätzen beschäftigen sich
die Autorinnen und Autoren mit dem kulturellen Phänomen der bespielten
und individuell gestalteten Musikkassetten als Zeugnisse der kreativen
Auseinandersetzung mit dem medialen und popkulturellen Alltag.
Infoquelle: http://www.kassettengeschichten.de/
Kassetten: Erinnerungsträger und Kommunikationsmedium
Popmusik kann ein lebendiger Aufhänger für das individuelle und
kollektive Erinnern sein. So sind auch verschenkte und erhaltene Kassetten
eng mit Erinnerungen und biografischen Bezügen verknüpft. Wie die
Kassetten als Erinnerungsspeicher funktionieren, formuliert eine 21-Jährige
Frau im Interview so: „Neben der Musik auf
einem Tape verbinde ich halt auch Situationen oder Gefühle damit. …
Wenn Du die Kassette später wieder hörst, ist die Assoziation zwar noch
da, aber es kommt auch wieder eine neue dazu. Im Laufe ihres Lebens kriegt
die Kassette ja z. B. Macken ab, Aussetzer und so weiter. Das sind für
mich auch Zeichen, dass die Kassette mitlebt.“ Ein 17-Jährger Schüler
beschreibt die Kassette als „Atmosphärenspeicher“ und in einem
anderen Interview heißt es „Na ja, der schönste Grund [jemandem eine
Kassette aufzunehmen] wäre natürliche eine Lieberklärung.“ Für eine
27-Jährige stellen Kassetten eine gute Möglichkeit dar, eine
Kommunikation zu beginnen: „… so nach dem Motto: „Hallo, ich finde
dich interessant oder sympathisch“.
Die Audiokassette: ein verschwindendes Kulturgut
Die Erfolgsgeschichte der Audiokassette begann 1963, als die Firma
Philipps die „Compact-Cassette“ samt Kassettenrecorder als preiswertes
Tonaufnahme- und Abspielgerät auf den Markt brachte. Nach einigen
Anlaufschwierigkeiten setzte sich das neue Medium in den 1970er Jahren
schließlich gegen das Tonband durch. Mit der Markteinführung des Sony
Walkman 1979 wurde die
Audiokassette schließlich zum wichtigsten wiederbespielbaren Tonträger.
Die Musik wurde mobil und zum alltagsbegleitenden Soundtrack. Mit der
Digitalisierung von Musikaufnahmen und der 1984 eingeführten Compact Disc
kamen neue Qualitätsmaßstäbe hinzu. DAT-Tape, Mini- Disk, CD-R und
MP3-Player sind die rauschfreien Konkurrenten, die für den
kontinuierlichen Abschwung der Magnettonbänder sorgen. Lag der
Marktanteil der Kassetten in den 1980er Jahren über 60 Prozent, sank er
im letzten Jahr unter 5 Prozent. Doch wie die Kassettengeschichten zeigen,
übt die Audiokassette trotz langsamen Verschwindens auch heute noch auf
viele Leute eine große Anziehungskraft aus.
Infoquelle: Museum für Kommunikation Frankfurt 1/2004
P.S.
Die beiden Autoren: Gerrit Herlyn und Thomas Overdick sind
auch Mitglieder der Band: Knabenkraut
KNABENKRAUT
"True Love Can Wait" (2003)
Mikrokosmos des Hamburger Gitarrenpops
Hamburg trifft Liverpool: Die 1995 gegründete Popband Knabenkraut hat ihr
Album "True Love Can Wait" in Sir Paul McCartney's Liverpool
Institute for Performing Arts aufgenommen und abgemischt.
Oliver Goetzl, Gründer des legendären Indiepoplabels Marsh-Marigold
Records, das mit dem 15. Firmenjubiläum im Jahre 2003 eins der
dienstältesten Independentlabels Deutschlands ist, Gerrit Herlyn, Thomas
Overdick, Björn Steffens und Carsten Schreiber spielen feinsten Pop.
Knarz und Melodie. Knarz und Schönheit. Schwelgerische Vertracktheiten
für expanded minded popkidz.
Diverse Konzerte in ganz Deutschland und zahlreiche Compilationbeiträge
haben Knabenkraut in den letzten Jahren zum Geheimtip des Gitarrenpop
Kosmos werden lassen. (Quelle:
www.indigo.de)
Film:
Smoke
Signals
Roadmovie
USA, Kanada 1998
FSK: 6 / 89 Min.
Regie: Chris Eyre
Darsteller: Adam Beach, Evan Adams, Irene Bedard, Gary Farmer, Tantoo
Cardinal, Cody Lightning, Simon Baker, Monique Mojica, John Trudell, Chief
Leonard George, Michael Greyeyes, Darwin Haine, Michelle St. John, Elaine
Miles, Cynthia Geary, Gary Taylor, Perrey Reeves, Nicolette Vajtay, Molly
Cheek, Robert Miano, Tom Skerritt, Todd Jamieson, Scott M. Rosenfelt
Inhalt:
Victor und Thomas, zwei charakterlich sehr gegensätzliche junge Indianer,
fahren von ihrem Reservat in Idaho nach Arizona, um die Asche von Victors
Vater heimzuholen, was ihnen fast gegen ihren Willen auch zur Reise in die
Familienvergangenheit und die Geschichte gerät. Dieses Roadmovie
beleuchtet in eigenwilliger, persönlicher, ironisch-witziger Form
Ausschnitte aus der gegenwärtigen, immer noch sehr problematischen
Lebenssituation der Ureinwohner Nordamerikas und stimmt über das Vergnügen
an seiner heiteren Machart hinaus ziemlich nachdenklich.
Stimmen zum Film:
Dirk Jasper (Dirk Jasper FilmLexikon): Das in Sundance euphorisch
bejubelte Regiedebüt von Arapaho-Cheyenne-Indianer Chris Eyre ist ein Glücksfall
des aktuellen US-Kinos: Ein stimmungsvolles Road-Movie, das zärtlich und
lakonisch Poesie mit Politik verknüpft und mit selbstironischem Witz mit
dem Kinoklischee Tomahawk schwingender Rothäute abrechnet.
film-dienst 24/1998: Klassisches Road Movie, das von einer
authentischen Atmosphäre getragen wird und unaufdringlich die Frage
thematisiert, ob Schuld vergeben werden kann. Wie entspannt die
Filmemacher dabei mit ihrer Herkunft umgehen,
spricht von großer Souveränität und macht Hoffnung auf mögliche
Potenzen eines indianischen Kinos.
Die Woche 04.11.1998: "Smoke Signals" von Chris Eyre ist
ein Film, der zum ersten Mal indianische Schauspieler unter indianischer
Regie versammelt, und er deckt mit den Zweifeln seiner Helden, die
tragikomisch um ihre Authentizität ringen, das Trauma der
Zwangsamerikanisierten auf. Der Spott, mit dem der kriegerische Victor dem
romantischen Thomas begegnet, verrät in Eyres feinfühligem Film den
Einsamen, der mit dem Vater den Glauben an die Menschheit verloren hat.
Erst die Aufgabe, Arnolds Asche aus Arizona abzuholen, zwingt die
ungleichen Protagonisten, ein Stamm für sich zu werden. Ihr Ausflug wird
zur Persiflage der "typisch" indianischen Initationsreise:
grotesk und großartig.
Der Spiegel 49/1998: Das Roadmovie, gedreht von Chris Eyre und
geschrieben vom Starautor Sherman Alexie, nimmt seine dramatischen Kurven
mit etwas ungelenktem Karacho, aber auch viel Spielwitz. Am Ende fahren
Victor und Thomas jedenfalls mit Volldampf vorwärts.
Infoquelle: Dirk Jasper FilmLexikon
Humor statt Klischees
US-Amerikaner wissen wenig über die Ureinwohner ihres Landes.
"Nichts als Klischees, so, als hätte man auch hierzulande nur Karl
May gelesen", sagt der indianische Schriftsteller Sherman Alexie vom
Stamm der Spokane und Coeur d'Alene Indianer aus dem Nordwesten der USA.
Er bemüht sich seit Jahren darum, mit Kurzgeschichten und Romanen ein
realistisches Bild des heutigen
Stammeslebens zu zeichnen. Und aus eigenen Texten entstand auch Alexies
Drehbuch zum Film "Smoke Signals", der in den USA preisgekrönt
wurde und nun auch in die deutschen Kinos kommt.
Der Spielfilm ist eine Premiere: Erstmals sind Autoren, Regisseur und
Produzenten allesamt Indianer und arbeiten an einem Projekt, das in der
Firma Miramax einen prestigeträchtigen Verleih und damit eine großes
Publikum fand. "Smoke Signals" gewann im Januar auf dem von Robert
Redford zur Förderung des jungen, unabhängigen US-Kinos gegründeten
Sundance-Festival den Zuschauerpreis. Der Film bekam gute Kritiken
und spielte in den USA schon fast sieben Millionen Dollar ein, eine
passable Summer für eine unabhängige Produktion ohne große Stars.
Infoquelle: Rhein-Zeitung 4/2001
CD:
Improved
Sound Limited: Road Trax
Die Produktion von Filmmusik war eine Konstante in der Arbeit der
Band. So enthielt bereits die erste CD Musik aus dem Film "Der
Graben" von Michael Verhoeven, die dritte, "Rathbone Hotel"
mit dem Song "Suicide Road" die Vokalversion eines
Instrumentaltitels aus dem Wim Wenders Film "Im Lauf der
Zeit"
Die Beantwortung der Frage, warum das vorliegende Album nicht
"Soundtracks", sondern "Road Trax" überschrieben
wurde, erschließt sich dem Hörer nahezu zwangsläufig: Die Musik
vermittelt eindrucksvoll das Gefühl, unterwegs zu sein. "Im Lauf der
Zeit" ist ein Road Movie par excellence, bei dem Film "Soweit
das Auge reicht" zeigen sich zumindest wichtige Musikstrecken von
diesem "Spirit" geprägt; "Das Brot des Bäckers"
schließlich definiert sich inhaltlich zwar anders,
doch der Protagonist Bernd Tauber scheint eindeutig vom oben
angesprochenen Lebensgefühl erfasst. Nicht zufällig hört er im Film
wiederholt Musik jenes Genres, z.B. den Titelsong aus dem "Improved
Sound Limited"-Album "Catch a Singing Bird on the Road".
Die Musik reflektiert akustisch das Unterwegssein; sie ist Begleiterin für
lange Fahrten - mit der Kamera und mit dem Auto. Von einem langsamen
Pulsschlag bewegt, zeichnet sie unaufgeregt große, weite Bögen, atmet
Melancholie, Ferne, Grenzenlosigkeit...
Man weiß und spürt es, dass der Weg - so einsam er auch sein mag - das
Ziel ist. Die Reihenfolge der Musiken geriet nur per Zufall chronologisch,
eigentlich folgt sie einer Kompilation, die sich die Band selbst als
Backing Music für ihre Reisen zusammenstellte und gerne unterwegs hörte,
sich zu Zeiten von ihr tragen ließ.
Vielleicht erklärt sich so ein wenig, warum "Road Trax",
wenngleich die Takes aus unterschiedlichen Filmen und Entstehungszeiten
stammen, wie "aus einem Guss" wirkt.
Das Presseecho über die Filme mit "Improved-Musik" war
umfangreich und einhellig positiv. Paradigmatisch hierfür soll am Ende
meines Editorials lediglich die nonkonformistische Karena Niehoff zitiert
sein, die im "Tagesspiegel" den musikalischen Aspekt des
Wenders-Films folgendermaßen zu Papier bringt: "Die Musik der
deutschen Band 'Improved Sound Limited' bohrt sich dauernd in den Film
hinein, saugt sich mit ihm voll; ich hätte sie manchmal, diesen verdammt
ziehenden, süchtig machenden 'Romantic Sound', gern wütend abgeschlagen
wie einen vollgefressenen Blutegel - aber dann hätte ich den ganzen Film,
seine Substanz, sein Sosein mit wegwerfen, seinen Atem ersticken müssen."
(Infoquelle: M. Steinheuer 9/2002)
last update: Sept
2009 |