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Das
"Underground"
in Muffendorf/ Bonn
Kraut- und Prog-Rock im Rheinland
Ein Freund brachte mich drauf. Mir fehlten zwei bis drei Jahre (zu
jung) und eine Mitfahrgelegenheit aus dem Westerwald in Richtung Bonn,
um die Musik in dem "Live-Schuppen der Republik" erleben zu
können. Meistens war für mich in Hamm/ Sieg "Morgens um
Sieben" Feierabend ;-)
Viele Dauergäste schwärmten beim UNDERGROUND von dem "Pop-Mekka
der BRD".
Bei der
Recherche wurde mir rasch klar, egal wie man es nannte: eins bleibt
unbestritten, dass Live-Programm war kaum zu überbieten.
Krautrockbands der Spitzenklasse und internationale Top-Acts (von
STATUS
QUO bis
QUEEN) fanden ihren Weg auf die kleine Bühne in der
Hauptstrasse. Eine vollständige Auflistung aller Bands würde den
Rahmen dieser Seite sprengen.
Was für viele Menschen aus der Region der
Dreh- und Angelpunkt ihrer Jugend war, bedeutete für viele Anwohner
nächtliche Ruhestörungen und das Gefühl, das " langhaarige
Gesindel" in der Stadt zu haben.
Dem Bürgertum in Godesberg war das UNDERGROUND von Beginn an ein Dorn
im Auge. 1975 musste es dann auf gerichtliche Anordnung hin, leider für
immer schließen.
Nun viel Spaß mit den UNDERGROUND-Seiten (siehe auch
STORY,
BILDER u.a.) und natürlich mein Hinweis, dass ich mich über Ergänzungen in
Wort und Bild sehr freue.
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Ein
"eindrucksvoller" Erlebnis-Bericht ;-)
Hallo
Günther,
ist ja lustig, Dein Bericht über das UNDERGROUND. Hier mein Beitrag
dazu
..
Anfang 1972
wechselte mein Vater seinen Arbeitsplatz und meine Familie zog aus
meinem heißgeliebten Berlin nach Bad Godesberg - war das ein Wechsel!
Gerade mal 2 Kneipen, in denen man es aushalten konnte
("Barriere" und "Karre") und ansonsten wurden um 22
Uhr die Bürgersteige hochgeklappt und der Mond an einer Laterne
hochgezogen - klasse. Doch da gab es einen Laden im Stadtteil
Muffendorf, der sich deutlich von allem abhob, das UNDERGROUND.
Ich habe dort viele namhafte Bands erlebt und im Alter von 12-15 Jahren
viele, mir bis dahin unbekannte, Sachen (.) kennengelernt. Fast am
beeindruckendsten fand ich die Tatsache, dass man in Muffendorf aus dem
Bus stieg und ein ganzes Dorf nach Haschisch roch, und das in Bad
Godesberg! (die Bushaltestelle war einige hundert Meter vom UNDERGROUND
entfernt).
Der Saal (ich glaube, es war eine ehemalige Scheune?) war z. T. mit
Matratzen ausgelegt, auf denen sich die Freaks lümmelten und um die
Wette kifften. Gut erinnern kann ich mich auch noch an ein Mädel, das
einen Joint baute, der jedes Stuhlbein zu einem mickrigen Streichholz
hätte verkommen lassen. Es wurden 2 kleine Tische aneinandergestellt,
ich weiß nicht, wie viele Blättchen aneinandergeklebt und einige
Bücher zur Hilfe genommen. Die wurden nun so ausgelegt, dass eine
schiefe Ebene entstand (erst 1, dann 2, dann 3 usw.). Der Joint reichte
über die gesamte Länge der beiden Tische und das Ende zum Ziehen lugte
knapp über den Tischrand. Man musste also in die Hocke gehen, um
rauchen zu können (aber nur 1 mal, das reichte). Man, hat mich das
beeindruckt. Klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis das
UNDERGROUND geschlossen werden musste, zumal doch auch so einige
Regierungsbeamte recht nahe wohnten (Heiderhof).
Schade, aber nix bleibt, wie es ist. Was mir aber aus dieser Zeit
geblieben ist, ist meine Grobschnitt-Coverband
und inzwischen konnten wir sogar mal zusammen mit Nektar auftreten, die
ich auch im UNDERGROUND erleben durfte. Das hätte mir damals mal jemand
erzählen sollen, dem hätte ich wohl einen Vogel gezeigt.
Solarige
Grüsse aus (inzwischen wieder) Berlin, Nils -
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